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Als Hauptauftragnehmer und in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesbahn entwickelte und baute MBB den dreiteiligen Schienenprüfzug VT 719/720. Dieser neue Prüfzug löste den ebenfalls im Donauwörther Werk gebauten und seit 1958 in Betrieb befindlichen ersten Schienenprüfzug ab.
Der VT 719/720 wird zur Überprüfung der Schienen auf innere Fehler, Anrisse und sonstige äußere Schäden eingesetzt. Die Untersuchung erfolgt mit der Impuls-Echomethode, bei der das Ergebnis aufgezeichnet wird und somit als Prüfdokument der Strecke in Form eines Registrierstreifens vorliegt.
Der Schienenprüfzug besteht aus zwei Kopfwagen mit Führerstand und einem Mittelwagen. Die beiden Kopfwagen werden von je einem 500-PS-MANUnterflurdieselmotor angetrieben, die
dem Zug eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h verleihen. Die Kraftübertragung erfolgt über je ein hydraulisches 2-Wandlergetriebe.
Der Wagenkastenrohbau ist in geschweißter Stahlleichtbauweise unter Verwendung von möglichst gewichtssparenden Leichtwalzprofilen und abgekanteten Blechen hergestellt. Der Wagenkasten entspricht den Belastungsvorschriften nach
UIC Merkblatt 625-7.
Die luftgefederten Trieb- und Lauf-Drehgestelle sind mit einer selbsttätigen geschwindigkeitsabhängigen Umschaltung auf 3-Punkt- bzw. 4-PunktAbstützung ausgestattet.
Der Prüfzug hat eine lastabhängige Druckluftbremse mit elektronischer Gleitschutzeinrichtung. Die Warmwasserheizung wird mit Heizöl befeuert. In den beiden Triebwagen ist der Kühlkreislauf der Antriebsmotoren über einen Wärmetauscher mit dem Heizkreislauf verbunden, so dass die Motorwärme zur Wagenbeheizung herangezogen und die Wagenheizung zur Motorvorwärmung bzw. Warmhaltung benutzt werden kann.
Im Mittelwagen des Zuges befinden sich die Messeinrichtungen mit den dazugehörigen Arbeits- und Lagerräumen. Die Besatzung ist in den beiden Triebwagen untergebracht. Für jedes Besatzungsmitglied steht eine Einzelschlafkabine mit Waschgelegenheit zur Verfügung. Außerdem ist jeder Triebwagen mit einem Waschraum, einer Duschkabine und einem WC ausgestattet. Für die Versorgung der
Besatzung ist eine Küche, ein Speise- und Aufenthaltsraum im Triebwagen 1 vorhanden. Ebenfalls im Triebwagen 1 befinden sich in einem besonders schallisolierten Raum zwei
Diesel-Stromerzeugungsaggregate von je 24 kVA für die Drehstromversorgung der Messeinrichtung und sonstiger Großverbraucher.
Der größte Teil des Mittelwagens nimmt der Messraum ein. Hier ist die gesamte Messelektronik einschließlich Registrierkamera installiert, die von der Deutschen Bundesbahn Versuchsanstalt Minden entwickelt und beigestellt wurde. Die Bauteile für die einzelnen Messgruppen, der Hauptverteiler, die Starkstromversorgung und die Hilfseinrichtungen sind in Norm-Einschubschränken untergebracht. Zur leichteren Verlegung der umfangreichen Verkabelung ist der Fußboden des Messraumes als Doppelboden ausgeführt und kann über die ganze Länge geöffnet werden. Im Unterschrank der für die laufenden Wartungsarbeiten eingerichteten Werkbank ist ein Pumpenaggregat für das hydraulische Heben und Senken des Prüfkopfträgerwagens eingebaut.
Hinter Verkleidungen befinden sich zwei Tanks mit insgesamt 5000 1 Fassungsvermögen zur Aufnahme des Koppelwassers, das für die Benetzung der Schienen während des Messvorganges erforderlich ist. Zu beiden Seiten ist ein Durchblickschacht mit unzerbrechlicher Scheibe in den Wagenboden eingelassen. Durch diese Schächte kann der Prüfkopfträgerwagen während der Prüffahrt beobachtet werden. Ein Schreibtisch und ein Ersatzteilschrank vervollständigen die Ausstattung des Messraumes.
Zur Bearbeitung des Filmmaterials ist eine Dunkelkammer mit Säure-, Spülbecken und Wasserversorgung vorhanden. Das Filmmaterial wird in einer Filmvorratskammer gelagert.
Kernstück der Messeinrichtung ist der Prüfkopfträgerwagen, der die Ultraschall-Prüfköpfe exakt im Spurkanal führt. Der Prüfkopfträgerwagen ist querbeweglich unter dem Wagenkasten des Mittelwagens angelenkt, so dass die bei der Kurvenfahrt auftretenden Querbewegungen aufgefangen werden können. In Fahrtrichtung ist die Aufhängung spielfrei. Für Überführungsfahrten wird der Prüfkopfträgerwagen hydraulisch angehoben und mit vier Fanghaken arretiert. Der Prüfkopfträgerwagen ist mit elastisch gelagerten Teleskopachsen ausgerüstet, die ein ständiges, spurspielfreies Anliegen der Spurkränze an den Schienenwangen gewährleisten. Die beiden Prüfkopfträger sind unmittelbar an den Teleskopachsen angelenkt und ermöglichen dadurch eine exakte Führung der Prüfköpfe über der Mitte der Schienenlauffläche.
Zusätzliche Leiträder sorgen für ein störungsfreies Überfahren der Weichen.
Vom Registriersitz aus können die Prüfköpfe über Pneumatik eingestellt und ausgeschwenkt werden. Bei Messfahrt ist der Prüfkopfträgerwagen zusätzlich über Federbeine zur Erhöhung der Entgleisungssicherheit federbelastet. Gegenüber dem alten Schienenprüfzug konnte die Messgeschwindigkeit von 30 km/h auf 50 km/h erhöht werden. Durch die Auswertung der mit dem ersten Schienenprüfzug gesammelten Erfahrungen entwickelte MBB eine wesentlich leistungsfähigere Prüfeinheit. Gleichzeitig wurde die Unterbringung und Versorgung der Besatzung verbessert.
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